“China ist ein sehr wichtiges Land für uns”

Žiga Fišer ist Leiter der strategischen Entwicklung des Hafens von Koper. Sein Unternehmen ist zuständig für sämtliche Verwaltungsaufgaben des Hafens und durch ein Abkommen mit der Republik Slowenien auch dessen einziger Investor, was in dieser Form einzigartig in Europa ist. Fišer berichtet von großen Plänen, die seinem Hafen in den kommenden Jahren bevorstehen.

von Ludmilla Reisinger, Max Tenschert und Nikolaus Fink

Das Firmengebäude von LUKA Koper befindet sich direkt neben der Einfahrt zum Frachtbereich des Hafens, eine eigene Stadt in der Stadt. Täglich fahren hier über 800 LKW mit Containern aus aller Herren Länder in den Hafen ein und aus. In der für einen Sommertag angenehm kühlen Lobby des Gebäudes empfängt uns Žiga Fišer, Leiter der strategischen Entwicklung von LUKA Koper. Er war zuvor bei der Deutsch-Slowenischen Industrie- und Handelskammer tätig und begrüßt uns daher auf Deutsch. Fišer führt in sein Büro im Obergeschoss und lädt uns ein, am kleinen Konferenztisch Platz zu nehmen. Für das Interview wechseln wir auf Englisch, seinem Fachvokabular zuliebe.

slo.magazin: 2017 kamen in Koper chinesische Waren im Wert von über 3,2 Milliarden Euro an. Wie wirkt sich das auf den Hafen aus?

Žiga Fišer: China ist ein sehr wichtiges Land für uns. Es ist in den letzten Jahren enorm gewachsen und auch die Nachfrage nach beispielsweise luxuriösen Waren aus Europa wird in China jedes Jahr größer. Es hat also einen starken Einfluss auf Koper. In den letzten Jahren hatten wir dadurch am Hafen eine gesammelte jährliche Wachstumsrate von etwa 7 bis 10 Prozent. Wir haben eine Absichtserklärung mit chinesischen Unternehmen, sodass wir auch Teil der Seidenstraßeninitiative sind. 

slo: Gibt es bisher einen konkreten Plan mit China oder ist es nur ein wenig Gerede? 

Fišer: Wir können ehrlich sagen, dass wir nicht aufgekauft werden können. Da es sich bei uns um eine börsennotierte Gesellschaft handelt, haben wir ein Konzessionsabkommen mit dem Staat Slowenien. Das Abkommen besagt, dass wir als LUKA Koper im Bereich des Hafens von Koper die einzigen Investoren sind und auch die einzigen, die die Aufgaben der Frachtabwicklung erfüllen. Dadurch gibt es keine Möglichkeit, dass ein chinesisches Unternehmen beispielsweise ein Containerterminal in Koper besitzt.

slo: Es gibt also keine Möglichkeit, dass diese Vereinbarung fallen kann?

Fišer: Nein. Wir haben einige andere Möglichkeiten der Zusammenarbeit, aber nicht im Sinne von: Die Chinesen kommen hierher und investieren.

slo: Sowohl Triest als auch Koper sind sehr wichtige Häfen für Österreich. Worin besteht der Unterschied zwischen den beiden Häfen?

Fišer: Triest hat viel Flüssiggut, da der Hafen über eine eigene Pipeline verfügt. Das Rohöl wird von dort aus für die österreichischen Raffinerien wie Schwechat umgeschlagen. Im Hafen Koper gibt´s kein Rohöl, das ist der Hauptunterschied. Wir setzen in unserer Strategie auf zwei andere Gruppen: Autos und Container. 

slo: Der Hafen in Koper könnte laut Prognosen im Jahr 2019 erstmals mehr als eine Million Container umschlagen. Warum nimmt der Containerhandel weltweit so stark zu?

Fišer: Heute kommt alles in Containern, viel mehr als vorher. Wir hatten früher zum Beispiel viele Schiffe namens Bananeras, die nur darauf ausgelegt waren, Bananen zu verschiffen. Diese Bananen kommen mittlerweile in Kühlcontainern, das zeigt uns die Verschiebung hin zur Containerisierung. Jetzt erleben wir dasselbe mit Holz, mit Schienen und so weiter. Das Volumen und die Anzahl der Container wird definitiv weiter steigen.  

slo: Viele Reeder beklagen sich aufgrund der hohen Kosten. Ein österreichischer Holzhändler meinte, es sei zu teuer in Koper, es gäbe aber keinen anderen alternativen Hafen. Was sagen Sie dazu?

Fišer: In der Logistik gibt es drei Dinge, die wichtig sind: Erstens ist es die Zeit, zweitens ist es der Preis und drittens ist es der Service. Wir sind gut, weil unser Service besser ist als der jedes anderen Hafens.

slo: Die Firma meinte auch, dass es in Koper ein bisschen zu teuer wäre, gerade weil es nur ein Gleis für den Transport ins Hinterland gibt.

Fišer: Wir werden in fünf Jahren ein zweites Gleis bekommen.

slo: Das hat dann insgesamt 20 Jahre gedauert…

Fišer: Es hat viel Zeit gebraucht, das ist völlig wahr. Wir treiben diese Pläne seit dem Jahr 2004 voran. Das Problem war hauptsächlich auf der Seite der Bewohner der Region. Nach meinen Informationen werden aber auch alle anderen Häfen in der Nachbarschaft bis 2025 keine besseren Anbindungen ins Hinterland haben, wodurch wir einen weiteren Vorteil haben werden. 

slo: Wo wir gerade von den benachbarten Häfen sprechen: Würden Sie diese in gewisser Weise als Partner sehen oder einfach nur als Konkurrenz?

Fišer: Wir können mit Triest zum Beispiel beim Rohöl nicht konkurrieren, weil wir keine Pipeline haben. Aber bei Containern oder Projektladung, die wir beide haben, können wir konkurrieren. Wir müssen aber auch bei bestimmten Dingen zusammenarbeiten – zum Beispiel bei der Sauberkeit des Meeres, in Sicherheitsfragen in den Häfen oder bei Cybersicherheit. Wir können außerdem an einem gemeinsamen System für die Schiffe arbeiten: Da die Adria eine Sackgasse ist, muss ein großes Schiff in jedem einzelnen Hafen anlegen. Sonst ist es nicht rentabel. Wir haben auch die NAPA-Allianz, einen Nordadria-Hafenverband. Zuerst sollte es die Allianz nur für die Vermarktung der Nordadria-Häfen an Fernost-Destinationen wie China, Japan oder Hongkong geben. Jetzt haben wir auch gesehen, dass die Zusammenarbeit zwischen uns auch bei anderen gemeinsamen Projekten funktioniert. Wir haben sogar einige europäische Projekte auf diese Weise gestartet. 

slo: Wenn Sie auf andere europäische Häfen wie Rotterdam blicken, versuchen Sie etwas von ihnen zu lernen? Oder fokussieren sie sich nur auf „ihr“ Gebiet? 

Fišer: Wir konzentrieren uns zuallererst auf die Anforderungen unseres Hinterlands. Wenn wir keine Nachfrage aus dem Hinterland haben, dann würden wir als Hafen untergehen. Aber trotzdem schauen wir uns natürlich die besten Häfen der Welt an – wie Singapur, Rotterdam oder Hamburg. Zum Beispiel bei der Digitalisierung. Wir haben einige ihrer Ideen genutzt, um sie auch in unser System zu integrieren.  

slo: Im Hafen wird gerade an einem zweiten Pier gebaut, ein dritter ist in Planung. Was soll danach kommen, wenn es keinen Raum zum Wachsen mehr gibt?

Fišer: Wir haben noch genug Gebiete um den bestehenden Hafen, in die wir expandieren können. Wir haben also noch viele Möglichkeiten zu wachsen. Bis 2030 sollte das kein Problem sein.