Mission Statement

slo. Eine langsame Recherche zwischen Mur, Adria und Drava. 

von Johanna Egger und Matteo Eichhorn

Für viele ist Slowenien nicht mehr als ein Transitland. Wer nach Kroatien ans Meer will, kann es in gerade einmal einer Stunde durchqueren. Was durch gut ausgebaute Autobahnen an Zeit gewonnen wird, geht dabei an Sinneseindrücken verloren. slo. möchte sichtbar machen, was für Durchreisende zumeist hinter Lärmschutzwänden verborgen bleibt.  In einer Welt, die schnell altert und sich ständig selbst überholt, wollen wir ein Magazin entwerfen, das entschleunigt und zum Anhalten bewegt. Gleichzeitig soll es die Leser dazu anhalten, sich durch einen Raum zu bewegen, der sich schnell verändert. 

Auf unserer 10-tägigen Reise suchen wir merk-würdige Geschichten, die sich zwischen Mur, Adria und Drava dem aufmerksamen Beobachter offenbaren. Dieses Magazin setzt sich zum Ziel, einen kleinen und doch vielschichtigen Raum greifbarer zu machen. slo. erzählt von den Heldinnen und Helden, die Grenzen und historische Räume anders denken, überschreiten, überraschend und neuartig verbinden. Menschen, die heute die Geschichte der Zukunft schreiben. 

Dabei versuchen wir uns an einem journalistischen Prozess, der sich Zeit gibt. Bewusst langsam wollen wir unsere Impressionen aufarbeiten und in einem entschleunigten Digitalmagazin präsentieren, ganz im Sinne des slo(w)-journalism. Dieses Projekt ist also kein Blog, der erneuert und portionsweise vermarktet wird, und es verzichtet zur Gänze auf nervöse Social Media-Updates. Unsere Recherchen wollen in der kurzlebigen digitalen Welt einen zeitloseren Wert behaupten.

Slowenien ist zwar nicht viel größer als die Steiermark, dennoch stießen wir dort auf besonders viele bemerkenswerte Phänomene und Superlative: Die kürzeste Küste. Der romantischste Gebirgsfluss. Das grünste Land. Die höchste Dichterdichte. Die Heimat der innovativsten KI-Forscher Europas und von Melania Trump.

Der Raum, in dem wir uns bewegt haben, ist mit der österreichischen Geschichte geschichtlich eng verbunden. Davon zeugen die slowenisch- bzw. deutschsprachigen Volksgruppen in der „Štajer-Mark“ und in Koroška. Geschichtliche Jährungen gäbe es genug: Hundert Jahre Grenzziehung von St. Germain. Volksabstimmung 1920. 50 Jahre Gastarbeiterroute. 15 Jahre gemeinsam in der EU. 4 Jahre „Balkanroute“. Und künftig: die „Neue Seidenstraße“?

slo. versucht, über solche bildlose Zuschreibungen und “Jubiläumsjournalismus” hinauszugehen. Das soll gelingen, indem wir den Raum zwischen Mur, Adria und Drau beobachten, anhalten und übersetzen – ohne dabei den Anspruch auf die Vollständigkeit dieses Regionsportraits zu erheben. Vielmehr den einer ehrlichen Beobachtung des Besonderen.